Für immer vereint vs. Auf Erden allein

ihr habt euch wieder, seit endlich vereint. könnt euch eurer liebe widmen, ohne schmerzen, ohne sorgen, völlig gesund und erlöst. ihr könnt die letzten jahre nachholen, die voller schmerz, verzweiflung und krankheit waren. voller sorge und ungewissheit, aber auch voller angst. ihr zwei wart die menschen denen ich das leben verdanke. ihr habt mich gezeugt. mama, du hast mich unter vielen schmerzen auf diese welt gebracht und warst die erste die gelächelt hat als ich schrie. du papa du warst der glücklichste mann in diesem moment. der moment als du mich hochgehalten hast.

alleine diese ersten sekunden und minuten meines lebens sind so unersetzlich, ich habe keinerlei erinnerung daran, aber ich weiß trotz allem was sich in euch abspielte. eure liebe, eure geborgenheit, genau das fehlt mir jetzt. und ist durch nichts zu ersetzen. ganz gleich wie schwer die zeiten waren, ganz gleich wie sehr ihr nur mit euch beschäftigt wart, in euren herzen habt ihr euren sohn – mich, immer geliebt und alles für mich gegeben.

ihr habt euer bestes gegeben, und ich kann euch nicht vorwerfen alles versucht und getan zu haben für mich. so gut es euch eben möglich war und es in eurer macht stand.

als ich 10 jahre alt war und aus dem waldheim nachhause kam, und mama nicht da war, ich erfuhr das sie im krankenhaus liegt mit einer notoperation an ihrem magentumor, da ahnte ich noch nicht das dies der anfang einer gesundheitlichen und psychischen misere in unserer kleinen familie werden würde.

 kurz darauf  wurdest auch noch du krank daddy, dein erster schlaganfall war für dich wie ein weltuntergang, du hast  deine unabhängigkeit und deine selbstständigkeit verloren. ihr hattet mit euren krankheiten und innerlichen wunden genug zu kämpfen, und ich war noch zu jung euch eine hilfe und stütze zu sein. ich lebte irgendwie weiter, diese zeit war definitiv nicht schön.. sie war hart, schwer und schmerzhaft. es wurde immer schlimmer bei euch beiden, ihr kamt mit euch und euren krankheiten immer weniger klar, eine hiobsbotschaft folgte die auf die  nächste, und ich wusste gar nicht mehr wie ich das einordnen sollte. es war so viel, so schlimm und so unbegreiflich. kaum hatte ich mich mit etwas abgefunden, kam das nächste. ich verlor die kontrolle und die orientierung.

zwischenzeitliche lichtblicke wurden wieder durch durststrecken je gestoppt. mama, du warst auf einem so guten weg, du hast in dieser zeit immer das wohl von papa und mir auf deinen fahnen geschrieben gehabt, und du papa, hattest immer das wohl von mama und mir auf  den fahnen stehen. mama, du hast dich so gut wieder zurückgekämpft, bis dann deine psychose im sommer 2006 dich heimsuchte, die dich vieles vergessen lies, oder aus nicht ergründlichen perspektiven das leben erblicken lies. du wurdest in die geschlossene eingeliefert, wo du flüchtetest, und  wieder zurück gingst. im obtober dann kamst du wieder nachhause,  du warst mental zwar gefestigter aber du warst verbraucht und  total anders… stiller und verunsichert.

 

bei dir vater, ging alles eigentlich bergauf, gesundheitlich und finanziell und auch unser verhältnis wurde immer besser nach meinem umzug. bis dann 2007 bei mama ein tumor im oberschenkel gefunden wurde, was keiner wusste, das ihr nun der schlimmste leidensweg noch bevorstehen würde. chemo, 3 monate krankenhausaufenthalt, um dann ohne zwischenstop direkt ins pflegeheim zu kommen. 5 operation und dutzende behandlungen später waren wir am anfang vom ende. der tumor hatte sich im ganzen körper metastiert , überall hat er sich eingenistet und dich letztenendes niedergerungen… mit 46 jahren gingst du im april dieses jahres von uns. ich sah es zwar kommen aber es warf mich trotzdem völlig aus der bahn. die verantwortung die ich zu tragen hatte, die tatsache das du weg warst und ich mich um vater umso mehr kümmern wollte, aber es nicht so schaffte wie ich es gern gemacht hätte, machte mich umso mehr fertig und zermürbte mich innerlich.

den ganzen sommer hab ich gehofft das ich darüber hinwegkomme, das du tot bist und du über mich wachst und in meinem herzen bist. als ich es dann endlich akzeptierte ging es mir dann anfang september besser. ich hatte eine veränderung durchgemacht, ich war stark , wieder erstarkt, ich kam mal wieder zurück, unter größten aufwand zwar, aber ich hatte es wieder geschafft.

 ich verstand mich super mit dir vater, wir hatten spass, du hast mich unterstützt und wir kamen uns immer näher. ich hatte das gefühl es wird so langsam wie früher, emotionen kehrten zurück. es war einfach schön. wir waren so gut es ging füreinander da, und du hast alles für mich gegeben. ich fühlte mich immer wohler, und ich war wenn nicht bei dir war, in gedanken immer bei dir. wir waren das alte team von ganz früher als es darum gehen probleme zu lösen.

als ich dann am 21.10.08 zu dir kam um dich zu besuchen, um nach dir zu schauen obs dir ein wenig besser ging… und ich dich dann da lagen sah… so kalt und so starr… brach bei mir alles zusammen alles… du tot, so unerwartet und gerade als wir  immer besser zueinander fanden, als alles besser zu werden schien… musste ich dich so sehen… deine letzten minuten müssen grausam gewesen sein, im gegenteil zu mum.. sie schlief ruhig und seelig ein… aber du musst schmerzen gehabt haben, und gekämpft haben, zumindest lässt einiges darauf schließen… leider….

ihr lasst einen sohn zurück, ihr lasst mich zurück, völlig überfordert, völlig am ende und ohne familiäre wärme, geborgenheit und zuneigung. ich bin 20 jahre und vollwaise. ich kann das nicht fassen, will das nicht fassen. die dimension die das ganze ausmaß annimmt ist keinem klar, nicht mal mir. ich weiß nur eins ich vermisse euch so, ihr fehlt mir, meine lebensquelle ist nun komplett weggebrochen. völlig auf mich gestellt, ohne sich einfach mal in die arme der eltern begeben zu können und einfach mal los lassen zu können. nein das ist alles geschichte, ihr seit geschichte, mein leben mit euch ist geschichte. im winde verweht, im endloses kreislauf der zeit versunken.

 ich bin unfähig zu denken, euch loszulassen oder irgendetwas anderes zu tun… ich sehe nur ein loch in dem ich mich befinde. kein halt mehr, keine geborgenheit, einfach nur leere und einsamkeit. ich kann nicht mehr zu dir mama, wenn ich kummer habe. ich kann nicht mehr zu dir vater, wenn ich einen guten ratschlag brauche, oder mal wieder eine kopfwäsche und eine weisung des rechten weges.

zurück bleiben einzig und allein diese verheerenden  bilder, - jene bilder als ich dich fand, deinen puls fühlte und deine starre hand berührte.jene bilder, die mich nicht mehr los lassen, die mich verfolgen, und mich daran hindern ein klein wenig zur ruhe zu kommen. ich bin aufgewühlt , sehe kein land mehr, nur eine unüberwindbare mauer hinter der ihr seit. ich weiß zwar wo ihr seit, nur ich bin auf irdische ewigkeit von euch getrennt…

ihr im gegenteil habt euch wieder, genießt eure ewigwährende zeit, lasst euch niemals mehr los, und liebt euch ohne sorgen, ohne schmerzen bis in alle ewigkeit. meine zeit hier geht weiter, mein weg führt mich weiter in eine ungewisse, nebelige und düstere (nahe) zukunft. euer himmel ist jetzt blau, die sonne scheint und ihr seit einfach erlöst und glücklich. mein himmel ist grau, trist und nebelig.

mama, wahrscheinlich und hoffentlich geht es dir jetzt endlich wieder gut, du bist vollkommen und vereint mit der liebe deines lebens genauso wie du papa.

 lebt sie und werdet glücklich.

 

ich vermisse euch, und ihr fehlt mir so….

 

euer in gedanken immer bei euch weilender, und liebender sohn

 

Markus

26.10.08 15:35

Werbung


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Clowny / Website (26.10.08 16:08)
Danke.
Das hat mich wirklich tief bewegt.


Tim (26.10.08 23:35)
Hey Markus, was soll ich dazu sagen....
eine erfundene story kann ich bewerten, aber das drama deiner letzten 10 jahre.... nein, tut mir leid, kann ich nicht.
In einem widerspreche ich dir aber: ich glaube nicht das deine eltern da oben sorgenfrei oder schmerzfrei sind. damit will ich dir nicht sagen das es ihnen schlecht geht, weil das im himmel sicher nicht der fall ist. aber sie sorgen sich doch sicher um dich, und fühlen den schmerz den du fühlst, andernfalls wärest du ihnen ja egal.

ich weiß nicht wie genau du dich fühlst, ich kann es nur erahnen.
Ich kann dir nur sagen: sei stark, und vergiss gott nicht. du bist demnach nicht ganz allein. du hast freunde, eine freundin und einen gott auf die du bauen kannst. und was anderes bleibt dir wohl leider nicht übrig. gute nacht

PS.: In einer hinsicht kann ich deinen text bewerten: Lies den nochmal korrektur, sind ein paar fehler drin


Karina / Website (27.10.08 15:07)
Hi Markus,

damit zu leben ist nicht leicht, dass weiß ich selbst. Wenn Du magst schau doch mal hier vorbei...

http://unvergessen.plusboard.de/

Ist meine Art mit der Trauer umzugehen und zu leben... man ist nicht allein!

Karina


Knutschkugel (11.12.08 22:57)
Wo bist Du???? :-( Ich mach mir so Sorgen!


Sarah (21.1.09 18:51)
Hey ich wünsch dir alles Gute zum Geburtstag..ich hoff du kannst irgendwie feiern..Grüßle

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen